Imker-Kalendarium: Mai – Monat der Tracht und Schwärme
„Üppige Blüte, voller Bienenstock, ein Tropfen im Mai mehr wert als Dukaten.“ – Volksweisheit, die sich immer wieder bewahrheitet.
Der Mai ist eine magische Zeit, in der das Bienenjahr in seine Schlüsselphase eintritt. Um die Beuten herrscht reges Treiben, Obst- und Laubbäume blühen, und die Natur hält für die Bienen ein reiches Nektarangebot bereit.
Für Imker bedeutet der Mai intensive und mitreißende Arbeit. Doch was genau bringt dieser Monat für Volk und Halter?
Frühe Tracht – Fülle an Honigvorräten
Schon seit Ende März und während des ganzen Aprils zeigt sich, dass die diesjährige Saison besonders ist. Raps (Brassica napus) stand in dieser Saison, besonders in der Region Elbtal, zu Ostern Ende März bereits in voller Blüte. Im Mai folgen viele weitere für die Bienen wichtige Trachtpflanzen:
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Robinie/„Falsche Akazie“ (Robinia pseudoacacia): Liefert eine reiche, wenn auch kurzfristige Tracht. Die optimalen Temperaturen für starken Nektarfluss liegen tagsüber bei ca. 25 °C, nachts um 15 °C. Bei Idealbedingungen kann die Robinie 150–180 kg Honig je Hektar bringen. Leider gilt sie als invasive Baumart, unterdrückt andere Pflanzen und ist schwer auszurotten, da sie sich gut regeneriert.
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Himbeere (Rubus idaeus) und Schwarzer Holunder (Sambucus nigra): Diese Pflanzen setzen meist Mitte/Ende Mai ein – besonders in Regionen, die in den letzten Jahren durch Borkenkäfer betroffen waren und in Massen nachgewachsen sind.
Die Honigräume füllen sich rasch; in einigen Gegenden kann der erste Honig bereits in der ersten Maihälfte geschleudert werden. Zum Weltbienentag (20. Mai) sind meist schon erste frische Honige auf dem Markt.
Fortpflanzungsenergie der Völker – Schwärmen im Mai
Das Frühjahr ist geprägt von Bautätigkeit und intensiver Volkserweiterung. Im Mai setzt jedoch oft der starke Schwarmtrieb ein – die natürliche Vermehrungsstrategie der Honigbiene.
Schwärmen ist ein Schlüsselmoment im Leben des Volkes: Die Schwarmbienen, angeführt von der alten Königin, vereinen enorme Energiereserven, die dem neuen Volk das Überleben sichern. Das Schwärmen trägt zugleich zur natürlichen Gesundung bei – die Mehrzahl von Krankheitserregern und Varroa-Milben bleibt im alten Brutnest zurück.
„Ein Maisschwarm ist so viel wert wie eine Fuhre Heu!“
Wie erkenne ich beginnende Schwarmstimmung?
Einige klare Anzeichen deuten darauf hin, dass Ihr Volk bald schwärmen wird:
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Deutlich verringerte Bautätigkeit – gut am Baurahmen erkennbar.
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Bienen sammeln sich in Trauben im Unterboden, auffällige Ruhe am Flugloch.
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Frisch angelegte Weiselzellen bzw. deren baldiges Verschließen.
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Die Königin wird ca. drei Tage vor dem Schwärmen von den Ammenbienen nicht mehr gefüttert.
Das eigentliche Schwärmen geschieht meist um die Mittagszeit. Ungünstiges Wetter kann das jedoch stark verzögern.
Einen Schwarm einlogieren – Schritt für Schritt
Kommt es zum Schwärmen, ist es sinnvoll, bewährte Methoden zur Schwarmaufnahme anzuwenden. Im Überblick empfiehlt es sich:
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Den Schwarm vorsichtig in einen vorbereiteten Schwarmfangkasten oder eine Multibox samt Mittelwänden einzuschlagen.
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Die Bienen über Nacht in einem kühlen, dunklen Raum ruhen und akklimatisieren lassen.
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Bei Bedarf Gesundheitsmaßnahmen, etwa:
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Kurzer Fastentag (ca. 48 Std.), um mögliche Darmerkrankungen auszuschließen.
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Behandlung gegen Varroa destructor, z. B. mit Oxalsäure oder Milchsäure.
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Den Bautrieb ausnutzen, indem reichlich Mittelwände beigefügt werden. Mit regelmäßigem Füttern schaffen Schwärme bis zum Winter oft zwei Zargen.
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Im Herbst wird empfohlen, die Schwarmkönigin durch eine jüngere, leistungsstarke Königin auszutauschen.
Imkerpoesie – einen Schwarm „einlaufen lassen“
Kleiner Imkertipp: Wer ein besonderes Schauspiel erleben will, platziert einen frischen Schwarm direkt vor den Eingang eines stehen aufgestellten Bienenkastens (z. B. auf eine Wabe) und beobachtet den „Einmarsch“ des Schwarms in sein neues Heim. Ein einzigartiges Erlebnis für jeden leidenschaftlichen Imker.
Mai – Höhepunkt des Imkerfrühlings
Der Mai steht nicht nur für Freude an Honigfülle und blühender Natur, sondern auch für Verantwortung gegenüber der Entwicklung und Vermehrung der Bienenvölker. Wer die Maitage gut meistert, legt Gesundheit und Stärke seiner Völker für das ganze Bienenjahr.
Königinnenzucht, Ablegerbildung und Honigernte – Grundlagen moderner Imkerei
Ein praktischer Leitfaden zur Schwarmvorbeugung, Zucht hochwertiger Königinnen, effektiven Ablegerbildung und sachgerechten Honigernte.
Warum sollte man das Schwärmen vermeiden?
So beeindruckend der Schwarmvorgang auch ist, der moderne Imker arbeitet auf dessen Vermeidung hin. Ein Schwarm bedeutet immer Verluste – wirtschaftliche, zeitliche und gelegentlich zwischenmenschliche:
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Verlust eines Teils der Honigernte (abziehende Bienen nehmen große Vorräte mit).
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Zeitintensives Schwarmfangen.
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Mitunter Konflikt mit Nachbarn wegen „verwildernder“ Bienen.
Wichtige Schwarmverhütungsmaßnahmen für jeden Imker
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Rechtzeitige Erweiterung des Brutraums
Genügend und frühzeitig zusätzlichen Raum für Brut und Tracht verhindern Enge – eine der stärksten Schwarmursachen. -
Ableger- oder Kunstschwarmbildung
Durch Entnahme von verdeckelten Brutwaben und Bildung von Ablegern oder Sammelbrutablegern wird das Verhältnis offener/verdeckelter Brut gezielt gesteuert. Alternativ kann ein „Kunstschwarm“ (kontrollierte Bienenreduzierung) erstellt werden. -
Junge Königinnen mit guter Genetik einsetzen
Völker mit jungen Königinnen (max. 2 Jahre), gezüchtet aus schwarmträgen Linien, neigen weit weniger zum Schwärmen.
Die Bienenkönigin – Schlüssel zu erfolgreicher Imkerei
Die Bildung hochwertiger Ableger basiert vor allem auf leistungsfähigen Königinnen. Es gibt folgende Wege zu einer guten Königin:
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Kauf aus geprüften Zuchtbetrieben
Bietet die einfachste Lösung, falls man keine eigene Zucht anstrebt. -
Zucht aus eigenem Leistungsmaterial (Umlarven)
Die beste Methode, da man die Volksmerkmale gezielt steuern kann. Grundlage: Auswahl einer schwarmträgen, friedlichen, ertragsstarken Königin mit guter Entwicklung und stabilem Brutnest. -
Notzucht von Königinnenzellen
Leicht und für Anfänger geeignet, jedoch oft weniger leistungsfähige Königinnen als bei gezielter Zucht. -
Nutzung von Schwarmzellen
Einfach, aber mit Risiko der Übertragung von starkem Schwarmtrieb auf künftige Generationen.
So gelingt ein hochwertiger Ableger – Schritt für Schritt
Erforderliche Waben und Utensilien für Ablegerbildung:
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Mindestens eine Futterwabe mit Honig und Pollen.
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Verdeckelte Brut:
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Im Mai reicht eine Brutwabe,
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im Juni 2–3 Brutwaben,
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im Juli mindestens 5 Brutwaben.
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Futterwabe mit Wasser (erhöht die Annahmebereitschaft).
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Rähmchen mit Mittelwand zur Erweiterung des Ablegers.
Einsetzen der Königin oder Weiselzelle:
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Gezeichnete, begattete Königin im Zusetzkäfig mit Futterteig („Futterverschlusstäschchen“).
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Oder: eine schlupfreife Weiselzelle.
Weitere wichtige Schritte:
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Futtertasche und ggf. Schied einhängen, um den Raum allmählich zu erweitern.
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Der Ableger wird regelmäßig mit Zuckerlösung gefüttert – für Wachstum und Entwicklung unerlässlich.
TIPP: Zur intensiven Vertiefung empfehlen wir Imkerliteratur wie das Standardwerk Bienenhaltung – Band I, Bienen-Zootechnik.
Erste Honigernte – Lohn für Engagement und Fleiß
Sobald die Beuten nach Obstblüte und Raps mit Honig gefüllt sind, beginnt die schönste Zeit für jeden Imker: Die süßen Schätze der Bienen einfahren!
Woran erkennt man schleuderreifen Honig?
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Mindestens ein Drittel der Honigwabe sollte verdeckelt sein.
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Der „Stoßtest“ zeigt – reifer Honig tropft nicht aus der Wabe.
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Für präzise Prüfung empfiehlt sich ein Refraktometer.
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Das Gewicht von 1 Liter reifem Honig liegt zwischen 1,42–1,44 kg.
Praktische Tipps zur Honigernte-Hygiene:
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Saubere Honigschleudern, Siebe, Gefäße und geruchlose Gläser sind Grundvoraussetzung.
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Rundum hohe Hygiene wird zunehmend von Honigkunden verlangt.
TIPP: Probieren Sie neue Angebote: Cremighonig verfeinert mit Propolis, Gelee Royal oder gefriergetrockneten Früchten. Eine Freude für die Sinne – und ein originelles Vermarktungsprodukt.
Aus der Zeitschrift Imkerei, Mgr. Kateřina Šulková





































































































































































































