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Bienen haben starke Konkurrenz bei der Bestäubung

In einer aktuellen amerikanischen Studie wurden die Bestäubungsleistungen von wildlebenden und importierten Honigbienen mit denen heimischer Insekten verglichen. Den Ergebnissen zufolge rangieren Honigbienen hinsichtlich der Effizienz nicht auf den Spitzenpositionen.

Etwa 85 % der Pflanzen, die Blüten bilden, benötigen tierische Bestäuber. Die Honigbiene wurde durch menschliche Einflüsse auf allen Kontinenten außer der Antarktis verbreitet und bestäubt nun rund 13 % der wild wachsenden Pflanzenarten. Allerdings entspricht dies möglicherweise nicht den natürlichen Verhältnissen, nicht einmal in Gebieten, wo die Honigbiene ursprünglich beheimatet war (Europa, Afrika und Westasien). Mit zunehmender Anzahl der gehaltenen Bienenvölker übernehmen Honigbienen einen deutlich größeren Anteil der Bestäubung als früher, als fast ausschließlich wild lebende Bienenvölker die Landschaft besiedelten. Die einheimischen Insektenbestäuber werden dabei zunehmend verdrängt. Besonders problematisch ist dies in Amerika, Ostasien, Australien und Ozeanien, wo die Honigbiene ursprünglich nicht heimisch ist, sondern erst durch den Menschen eingebracht wurde. Noch unklar ist allerdings, welche Folgen diese Konkurrenz auf einheimische Pflanzenarten langfristig haben wird.

Eine Untersuchung von Dillon Travis und Joshua Kohn von der University of California, San Diego, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society B“, liefert nun erste Erkenntnisse dazu. Das Forschungsgebiet war die Region um San Diego, bekannt für ihre enorme biologische Vielfalt. Hier wurde die Auswirkung der Bestäubung durch Honigbienen auf die wildlebende Pflanzenwelt analysiert. Honigbienen hauptsächlich europäischer Herkunft wurden im 17. Jahrhundert nach Amerika eingeführt und sind inzwischen zahlreich auch bei San Diego anzutreffen. Die Umgebung wird deshalb oft als "Bienenparadies" bezeichnet, da hier Honigbienen überdurchschnittlich oft die Blüten heimischer Pflanzen aufsuchen. Dabei gibt es in der Region mehr als 650 einheimische Bienen- und Hummelarten sowie weitere Insektenbestäuber, die für die Bestäubung von über 2.400 Pflanzenarten sorgen. Die neue Studie stellte nun fest, dass Honigbienen den Pflanzen weniger Vorteile bringen als heimische Bienen und andere Insektenarten. Die Qualität des pflanzlichen Nachwuchses war nach Bestäubung durch Honigbienen messbar schlechter als nach Bestäubung durch die einheimischen Insekten.

Folgen der Honigbienenbestäubung für die Qualität der Pflanzen

Die Untersuchung zeigte, dass Salbeipflanzen aus Samen, die durch natürliche Bestäubung durch einheimische Bestäuber (hauptsächlich Wildbienen und Hummeln) entstanden, zwei- bis fünfmal vitaler wuchsen als Pflanzen aus von Honigbienen bestäubten Samen. Dies lag häufig daran, dass Honigbienen häufiger mehrere Blüten einer einzigen Pflanze besuchen, was mehr Selbstbestäubungen zur Folge hat. Weitere Versuche mit gezielt durchgeführter Fremdbestäubung – also mit Pollen anderer Pflanzen – ergaben sogar bis zu zehnfach bessere Ergebnisse als bei Selbstbestäubung.

Joshua Kohn fasst zusammen: „Wir betrachten die Verbindung von Honigbiene und Pflanzen meist als gegenseitig positiv. Tatsächlich profitieren die Pflanzen jedoch deutlich mehr von heimischen Insektenbestäubern, da der von Honigbienen übertragene Pollen oft qualitativ schlechter ist.“

Gefahr für einheimische Bestäuber und Ökosysteme

In einer ergänzenden, noch unveröffentlichten Studie stießen Travis und Kohn auf einen weiteren wichtigen Aspekt: Honigbienen besuchen typischerweise weitaus häufiger mehrere Blüten derselben Pflanze – dies untersuchten sie bei 44 verschiedenen Pflanzenarten, einschließlich Nutzpflanzen und heimischer Wildpflanzenarten. Dieser intensive Blütenbesuch trägt häufig zur Selbstbestäubung bei, was langfristig die Fitness der Samen und somit der Folgegenerationen ungünstig beeinflussen könnte.

Die Erkenntnisse weisen ferner darauf hin, dass Honigbienen möglicherweise die Fitness der Samen und Keimlinge einheimischer Pflanzen vermindern. Dies könnte invasive Pflanzenarten fördern, die keine Insektenbestäubung benötigen. Gerade invasive, windbestäubte Arten wie beispielsweise viele Gräser können so das Ökosystem anfälliger für Brände machen.

Obwohl die Imkerei allgemein als förderlich wahrgenommen wird, warnen Wissenschaftler vor möglichen negativen Folgen der Bienenzucht außerhalb der Heimatgebiete dieser Bienenart. Auch in Regionen, in denen Honigbienen einheimisch sind, kann überhöhte Bienendichte („Überbienung“) problematisch sein. Dillon Travis fügt hinzu: „Die Honigbiene gilt zwar als ein bedeutender Bestäuber, konkurriert jedoch zugleich mit einheimischen Insektenarten um Pollen und Nektar. Zudem können von ihr Krankheiten übertragen werden. Viele Schutzmaßnahmen setzen auf das Wohl der Honigbiene, deren Population jedoch schon zunimmt. Viel dringender benötigen einheimische Pflanzen- und Bestäuberarten unsere Unterstützung.“

Aus der Zeitschrift für Imkerei Jaroslav Petr