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Gehirn und Geist der Honigbiene

Überlegungen zum Insektenbewusstsein

Es liegt nahe, das Bewusstsein nur Lebewesen mit komplexen Nervensystemen zuzuschreiben. Doch die Forschung belegt, dass selbst Insekten wie die Honigbiene kognitive Fähigkeiten besitzen, die auf eine Form von Bewusstsein schließen lassen. Die Diskussion hierzu ist lebhaft, und zahlreiche Belege zeigen: Bienen verfügen über individuelle geistige Prozesse.

„Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt, während Phantasie die Welt umspannt.“ – Albert Einstein (Saturday Evening Post, 1929)

Der folgende Artikel ermöglicht einen interessanten Einblick in das Denkvermögen der Honigbienen und erläutert, wie renommierte Wissenschaftler das Thema anhand intensiver Forschungsarbeit erfassen.

Historischer Hintergrund der Forschung zum Bewusstsein der Bienen

Die Idee von Bewusstsein bei Insekten reicht bis in die Zeit von Charles Darwin zurück. Schon Darwin vermutete, dass auch ein sehr kleines Nervensystem komplexe Verhaltensweisen erzeugen kann und erwähnte eine einfache Form „geistiger Aktivität“ bei Ameisen und Bienen.

Mit dem Aufkommen des Behaviorismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Zuschreibung seelischer Zustände an Tiere zunächst abgelehnt.

Erst die bahnbrechenden Forschungen, unter anderem von Karl von Frisch, rückten dieses Thema erneut in den Fokus. Von Frisch entdeckte den berühmten Schwänzeltanz der Bienen und erhielt 1973 dafür den Nobelpreis. Sein Schüler Randolf Menzel erweiterte und vertiefte diese Forschung maßgeblich.

Randolf Menzel – Leben im Dienst der neurobiologischen Bienenforschung

Randolf Menzel, geboren 1940 in Marienbad, zählt heute zu den führenden Neurowissenschaftlern und Verhaltensbiologen auf dem Gebiet der Honigbienen. Inspiriert von seinem Mentor Martin Lindauer, selbst langjähriger Mitarbeiter von Karl von Frisch, widmete er sich der tiefgreifenden Erforschung der Wahrnehmung und Gehirnfunktionen von Bienen.

Wissenschaftliche Laufbahn Menzels

Bereits 1967 promovierte Menzel zum Farbensehen der Bienen. Später richtete er sein Interesse auf die Analyse des gesamten Nervensystems sowie das Gedächtnisverhalten. 1974 erschien seine Schlüsselpublikation „Lernen und Gedächtnis der Honigbiene“, die einen großen Einfluss auf das Verständnis der Insektenneurologie hatte.

Menzel gründete das Bienen-Neurowissenschaftszentrum an der Freien Universität Berlin, von wo aus seine Forschung weltweit zahlreiche Wissenschaftler inspirierte.

Was wissen wir heute über den Geist und das Gehirn der Biene?

Menzels Forschung zeigte, dass das Nervensystem der Biene, obwohl es nur etwa eine Million Neuronen aufweist, erstaunlich komplexe Informationen speichern und hochanspruchsvolle Aufgaben meistern kann – sowohl in Bezug auf Navigation, Futtersuche als auch auf soziale Interaktionen im Bienenvolk.

Eine besondere Rolle nehmen dabei die „Pilzkörper“ (Mushroom Bodies) im Bienenhirn ein, die als Zentrum des Langzeitgedächtnisses identifiziert wurden. Sie sprechen dafür, dass Bienen gespeicherte Informationen bewusst nutzen können.

Behaviorismus versus moderne Ansätze

Die anfangs vorherrschende Verhaltenstheorie leugnete jede Form von inneren Zuständen bei Tieren. Jedoch betrachtet die moderne Forschung die kognitiven Prozesse bei Tieren zunehmend als real erlebbare und relevante mentale Vorgänge im Umgang mit komplexen Umwelteinflüssen.

Bedeutung für zeitgenössische Imker

Ein tieferes Verständnis der Wahrnehmung und des Bewusstseins der Honigbiene ist nicht nur für die Wissenschaft von Bedeutung, sondern auch für die tägliche Imkerpraxis. Erkenntnisse über die neuronalen Fähigkeiten der Bienen ermöglichen einen schonenderen Umgang sowie höhere Vitalität und Widerstandskraft der Bienenvölker.

Imker können aus modernen Studien Inspiration ziehen und so das komplexe Verhalten ihrer Bienen besser verstehen und interpretieren.

Organisation eines Bienenvolkes

Das Bienenvolk der Honigbiene ist ein Gesellschaftsverband, der als eine einzige, eng verbundene Einheit agiert. Obwohl es aus zehntausenden Individuen besteht, funktioniert es äußerst koordiniert und effizient ohne zentrale Steuerung. Den Schlüssel zum Erfolg bildet ein einzigartiges System zur Weitergabe von Informationen innerhalb des Volkes.

Wie kommunizieren Bienen miteinander?

Die Kommunikation der Bienen basiert auf einem ausgefeilten System von positiver und negativer Rückmeldung. Diese komplexen Kommunikationsformen sind essentiell, um über Futterquellen, Gefahren und andere aktuelle Bedürfnisse des Volkes zu informieren.

Der Schwänzeltanz als Instrument der positiven Rückkopplung

Findet eine Kundschafterin eine ergiebige Nektarquelle, übermittelt sie diese Information durch einen charakteristischen Schwänzeltanz im Stock. Auf diese Weise erhalten andere Arbeiterinnen rasch wichtige Hinweise zur genauen Lage der neuen Futterquelle und nehmen zielgenau an der Sammelaktivität teil. Neu rekrutierte Bienen geben diese Informationen wiederum innerhalb der Kolonie weiter.

Negative Rückmeldung durch das „Stopp-Signal“

Eine weniger bekannte Rückkopplungsform ist das von Bienen verwendete „Stopp-Signal“. Dieses, erstmals von Hasenjager (2018) beschrieben, besteht aus kurzen Vibrationen, die eine Biene an eine Tänzerin weitergibt, wenn diese eine ungeeignete oder bereits erschöpfte Futterquelle bewirbt. Solche Kommunikation spart der gesamten Kolonie Zeit und Energie und steigert so ihre Effizienz.

Die soziale Umwelt als Überlebensfaktor der Kolonie

Das Bewusstsein der Biene beschränkt sich nicht nur auf ihre physische Umgebung, sondern umfasst auch hoch komplexe soziale Strukturen innerhalb des Stocks. Vergleichbar mit menschlichen Gemeinschaften sind Wissen und Verhalten an das soziale Umfeld gekoppelt.

Parallelen zwischen Bienen- und Menschengesellschaft

Die Sozialstruktur der Bienen weist überraschende Ähnlichkeiten zur menschlichen Gesellschaft auf. So sind Bienen etwa loyal zu ihrem eigenen Volk, verhalten sich anderen gegenüber defensiv, wenn Ressourcen bedroht sind, und offener, wenn es beispielsweise um das zufällige Eindringen friedlicher Bienen mit vollen Honigmagen geht.

Arbeitsaufteilung oder universelle Einsatzbereitschaft?

Im Unterschied zum Menschen, für den spezielle Berufsfelder typisch sind, zeigen Honigbienen eine bemerkenswert große Flexibilität: Eine Arbeiterin übernimmt verschiedene Aufgaben im Stock. Diese universelle Einsatzfähigkeit ermöglicht es dem Volk, umgehend und effektiv auf verschiedenste Herausforderungen zu reagieren.

Wenn etwa eine gefüllte Wabe undicht wird, wird sie augenblicklich von den jeweils nächstgelegenen Bienen verschlossen – es sind keine Spezialistinnen erforderlich. Diese Flexibilität verleiht Bienenvölkern einen entscheidenden Vorteil gegenüber streng spezialisierten Gesellschaften.

Die kognitive Karte – das Geheimnis der Bienen-Navigation

Honigbienen verfügen über außergewöhnliche Fähigkeiten zur Orientierung und speichern langfristig ihr gesamtes Umfeld – ein Umstand, den bereits Martin Lindauer ausführlich beschrieb. Mit dieser geistigen Landkarte finden sie zuverlässig Futterstellen, Wasserquellen und sichere Rückzugsorte, unabhängig von Jahreszeit und Umweltveränderungen.

Wie erstellen und nutzen Bienen diese mentalen Karten?

Während ihrer Erkundungsflüge bauen Bienen ein genaues Bild ihrer Umgebung auf, orientieren sich dabei an markanten Elementen wie Bäumen oder Hügeln sowie dem Stand der Sonne. Diese Navigationskompetenz ist angeboren – im Gegensatz zum Menschen, der solche Fähigkeiten über lange Zeit erlernen muss.

Anpassungsfähigkeit im Wandel der Umwelt

Für Honigbienen ist die Umwelt ständig im Wandel: Jahreszeiten lassen Landschaftselemente und Futterquellen wachsen und verschwinden. Bienen sind sozusagen darauf programmiert, flexibel und ohne zu zögern auf diese Veränderungen zu reagieren.

Abschließende Überlegungen – Was können wir von Bienen lernen?

Mit ein wenig Fantasie eröffnet sich uns eine faszinierende, innere Erlebniswelt der Honigbienen – präzise abgestimmt auf die Anforderungen ihres Überlebens. Ihre Gedankenkarte muss nicht umfangreich sein, vielmehr präzise und wirkungsvoll.

Die Analyse der Bieneninstitute inspiriert nicht nur Imker, sondern auch all jene, die die Intelligenz der Natur besser verstehen möchten. Die Erkenntnisse bieten vielfältige Impulse – für eine nachhaltigere Imkerei wie auch für den Entwurf intelligenter Systeme in der menschlichen Gesellschaft.

Aus Bienenfachübersetzungen: Übersetzung und Bearbeitung: Ing. Milan Daníček. Quellen und Literatur: Hasenjager, M. (2018). Informationsaustausch im Bienenvolk, Lindauer, M.: Bienenorientierung und Langzeitgedächtnis. Twain, M. (1883). Leben am Mississippi. Borst, P. L. (2021), American Bee Journal, Der Geist der Honigbiene, S. 637-641. Menzel, R. (1974, 2020). Publikationen zu Wahrnehmung, Lernen und Gedächtnis bei der Honigbiene, Apidologie. Frisch, K. von (1950), Die Bienen: Ihre Sinne, Chemorezeption und Sprache, Cornell University.