Automatischer Bienenstock nach zwei Jahren im Praxistest
Der Begriff „Automatischer Bienenstock“ erschien vor etwa zehn Jahren im Internet und bezeichnet eine spezielle Bienenstock-Konstruktion mit Kunststoff-Honigraumwaben, die das Honigschleudern mittels einfacher Hebelbewegung ermöglicht.
Dieses Konzept stieß unter vielen Imkern, aber auch unter Hobby-Interessenten auf großes Interesse. Online-Quellen zufolge ist der offizielle Hersteller des echten „Flow Hive“ ein australisches Imker-Startup der Brüder Stuart und Cedar Anderson. Neben dem Originalprodukt sind heutzutage auch preiswertere Nachbauten aus China erhältlich, unter anderem auf Verkaufsplattformen wie Aliexpress.
Neugierig auf die tatsächliche Effizienz dieser innovativen Konstruktion sowie ihre langfristige Praxistauglichkeit, die sowohl vom Hersteller als auch von Imkern aus Australien, Amerika und China gelobt werden, entschied ich mich dazu, einen automatischen Bienenstock selbst zu testen. Meine Überlegung war dabei, dass ich den Bienenstock auch bei möglicher Enttäuschung als attraktiven Schaustand verwenden könnte. Die offene Gestaltung erlaubt Passanten, besonders Kindern und ihren Familien, spannende Einblicke in das Innenleben eines Bienenvolks zu gewinnen.
Typen und Varianten automatischer Bienenstöcke
Vor dem Erwerb studierte ich aufmerksam das Angebot auf der Webseite des australischen Herstellers. Während die chinesischen Produzenten in der Regel nur einen einzigen, mit der Langstroth-Wabe kompatiblen Typ mit sieben automatischen Waben anbieten, verfügt der originale australische Hersteller über mehrere Gestaltungsmöglichkeiten. Neben unterschiedlichen Varianten für das Langstroth-System mit 3, 6 oder 7 automatischen Rahmen bietet er nun auch europäische und speziell britische Maße (National Hive) mit bis zu acht automatischen Rahmen an. Diese britische Version ist vollkommen kompatibel mit der in Tschechien üblichen Adamcová-Rahmenmaßnorm von 39 × 24 cm.
Dies ist für tschechische Imker vorteilhaft, da sich der automatische Honigraum ohne weiteres an bestehende Bienenvölker anschließen lässt. Damit entfällt die exemplarisch lange unproduktive Anlaufphase eines komplett neu errichteten Bienenstocks.
Erstes Jahr – Beobachtung des Bienenvolks
Meiner Familie schenkte ich den automatischen Bienenstock zu Weihnachten. So konnten wir künftig gemeinsam Einblicke in die Lebensweise der Bienen gewinnen. Besonders faszinierend ist das Beobachten durch die integrierten Sichtfenster sowie das unkomplizierte Schleudern des Honigs, das ganz einfach über den mitgelieferten L-förmigen Schlüssel erfolgt. Da ich an das Rahmenmaß Optimal gewohnt war, passte ich den erworbenen Langstroth-Stock durch kleinere bauliche Anpassungen entsprechend an.
Mein automatischer Bienenstock bestand schließlich aus drei Zargen, für ausreichend Raum für Brut und Königin. Den obersten Honigraum stattete ich mit sieben automatischen Kunststoffrahmen aus. Ich bestückte den Stock zunächst im späteren Jahresverlauf mit einem recht späten Ableger samt bereits begatteter Königin. Aufgrund der späten Aufstellung fiel die Honigernte allerdings zunächst noch aus und so verbrachte der automatische Rahmen den Winter in Lagerposition auf einem trockenen Ort. Das Volk wurde natürlich gut gefüttert und pflegerisch behandelt, damit es gesund überwintert.
Das erste Jahr stand folglich ganz im Zeichen der Beobachtung. Die Bienen brachten zwar wenig Honig, trotzdem war die Freude über die direkte Naturbeobachtung und die faszinierenden Einblicke in das Verhalten der Bienen sowohl für unsere Familie als auch für Freunde und Kollegen einzigartig.
Zweites Jahr – die erste automatische Honigernte
Bereits früh im Frühjahr, konkret am 2. März, war klar, dass unser Bienenvolk den Winter bestens überstanden hatte und stark sowie gesund in die Saison startete. Die Aussicht auf eine erste erfolgreiche automatische Honigernte war nun sehr positiv. Nachdem die Kirschblüte vorbei war und das Volk stetig wuchs, fügte ich im richtigen Moment den vierten Honigraum hinzu, bestückt mit den besonderen automatischen Rahmen.
Der Hersteller empfiehlt dringend, eine Königinnen-Absperrgitter zu installieren, damit keine Brut in die automatischen Rahmen gelangt. Sollte dennoch einmal Brut in die Rahmen gelangen, müssten diese ausgebaut, gründlich gereinigt und anschließend wieder zusammengesetzt werden.
Da Kunststoffrahmen erst einmal nicht besonders attraktiv für Bienen sind, vor allem nach oben hin von einem Trennzaun (Königinnenabsperrgitter) getrennt, wird empfohlen, sie nur bei starkem Honigeintrag anzuwenden und zuvor großzügig mit warmer Zucker-Honig-Lösung zu besprühen. Dies tat ich ebenfalls, und schon bald fingen die Bienen an, auf den vorbereiteten Rahmen Wachs zu bauen und erste Vorräte zu sammeln.
Während die Akazien- und Ahornblüte begann und der Himbeerstrauch langsam zur Blüte kam, belegte das Volk zufriedenstellend alle automatischen Rahmen und füllte diese zunehmend mit Honig. Am 20. Juni, während die Linden blühten, erfolgte schließlich das erste automatische Schleudern mittels einfachem Schlüsseldreh: Ein erfreulicher und unvergesslicher Moment für uns alle.
Bewährt sich der automatische Bienenstock tatsächlich?
Vielleicht haben Sie bereits online – beispielsweise auf YouTube – begeistert wirkende Videos über automatische Bienenstöcke und deren unkomplizierte Handhabung der Honigernte erkannt. Viele klassische, erfahrene Imker reagieren oft belächelnd oder skeptisch. Auch ich zählte einst aufgrund meiner traditionellen Überzeugungen zu diesen skeptischen Imkern.
Doch Offenheit gegenüber neuen Ansätzen erwies sich schließlich als großer Gewinn. Das Konzept des Automatikstocks liegt nicht in einer industriellen Massenproduktion qualitativ-technologisch perfekter Honigerzeugnisse, sondern in einer harmonischen Verbindung zwischen Bienen und Imker. Sein Wert ist vielmehr ein bewusster, entspannter und naturnaher Umgang mit den Bienen, das Leben miteinander bewusst genießend. Damit ergänzt er die geistigen Werte des Imkers weit über den technologischen Aspekt hinaus.
Aus der tschechischen Imker-Fachzeitschrift von Milan Hůla – Pardubice





































































































































































































