Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) wurde erstmals im Oktober 2023 in der Region Pilsen in der Tschechischen Republik entdeckt. Dieser Bericht beschreibt das Monitoringprojekt vom März 2024; damals war ein weiterer Fund aus dem Februar 2024 in Hrádek bei Rokycany bekannt. Die Hornisse breitet sich in Europa schnell aus und stellt eine ernste Bedrohung insbesondere für die Imkerei, aber auch allgemein für die Biodiversität der Natur dar, da sie aggressiv sowohl Honigbienen als auch andere nützliche Insekten jagt. František Pelc, Direktor der Agentur für Naturschutz und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik, weist darauf hin, dass der Hauptfaktor für die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse der Transitverkehr aus Westeuropa sei.
Invasion der Asiatischen Hornisse – neues Risiko für tschechische Imkereibetriebe
Als Beispiel für den Transitverkehr nennt Pelc die Autobahn D5. „Die Autobahn D5 wird täglich von Hunderten Fahrzeugen aus Gebieten, wo die Hornisse schon heimisch ist, befahren. Im Laderaum kann sich unbemerkt ein Exemplar verbergen, das dann unkontrolliert in die Umgebung entweichen und sich dort ausbreiten kann“, erklärt Pelc.
Weshalb ist die Asiatische Hornisse für Bienenvölker so gefährlich?
Die Hornisse Vespa velutina attackiert systematisch und organisiert vor allem Bienenstöcke, was zur raschen Zerstörung gesunder Bienenvölker führen kann. Die wirtschaftlichen Verluste für Imker können beträchtlich sein, da Honigbienen einen erheblichen ökonomischen Wert besitzen. Doch die Problematik betrifft nicht nur Imker, sondern auch Landwirte und Obstbauern, da Bienen eine unverzichtbare Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen, Bäumen und Nutzpflanzen übernehmen.
Neben wirtschaftlichen Schäden steigt in Gebieten mit einem stärkeren Auftreten der Asiatischen Hornisse auch das Risiko für die Bevölkerung, da erhöhte Gefahr von Stichen und damit gesundheitlichen Problemen besteht, was die öffentliche Sicherheit ernsthaft gefährden kann.
Spezielle Überwachungsfallen entwickelt von Wissenschaftlern der Westböhmischen Universität Pilsen
Forschende des Regionalen Technologie-Instituts der Fakultät für Maschinenbau (RTI) an der Westböhmischen Universität in Pilsen haben gemeinsam mit der Agentur für Naturschutz und Landschaftsschutz Tschechiens fortschrittliche Fallen entwickelt, die speziell zur Überwachung der Asiatischen Hornisse konzipiert wurden. Im Frühjahr 2024 begann die Installation dieser Fallen an ausgewählten Standorten in der Region Pilsen, um neu auftretende Invasionen so früh wie möglich erkennen zu können.
Jan Řehoř, Direktor des Instituts, erklärt: „Unser Ziel ist es, den Schutz der Bienenvölker zu sichern und Auswirkungen auf die Biodiversität zu minimieren. Für maximale Effizienz der Fallen führen wir intensive Forschungen durch. Aktuell sind bereits die ersten zwanzig Fallen im Einsatz, mittelfristig sollen im Rahmen der Kooperation mit lokalen Imkern bis zu achtzig Fallen in Risikogebieten installiert werden.“
Fertigungstechnologien und Design der Hornissenfallen
Die Fallen werden mit modernen Fertigungsmethoden produziert – die Prototypen werden zunächst im 3D-Druck gefertigt, später entsteht die Serienproduktion mithilfe von Spritzgussformen. Die Fallen der aktuellen Generation sind kleine Kunststoffboxen von etwa 10 cm Kantenlänge. Die Eingangsöffnungen von etwa 8 mm sind so gestaltet, dass die Hornissen hinein, aber nicht mehr hinaus gelangen können. Zudem gibt es seitliche, etwa 6 mm große Ausgänge, durch die kleinere, versehentlich gefangene Insekten entweichen können.
Laut Jan Řehoř werden von den Forschern außerdem unterschiedliche Biomaterialien, Oberflächen und Farbkombinationen getestet, um unerwünschte Auswirkungen auf nützliche Insekten zu minimieren.
Lockflüssigkeit in der Falle: Mischung aus Bier, Wein, Sirup oder Honig
Entscheidend für die Funktionsweise der Falle ist ein spezieller Lockstoff, der die Hornissen anzieht. Dieser besteht meist aus einer süßen Lösung, beispielsweise Sirup oder Honig, die mit alkoholischen Getränken wie Bier oder Wein angereichert wird. „Der Zusatz von Alkohol dient dazu, Honigbienen und Hummeln abzuschrecken, um den Verlust anderer nützlicher Insekten zu verhindern“, erläutert Tomáš Görner von der AOPK ČR.
Sensibilisierung und Zusammenarbeit auf allen Ebenen – Schlüssel zum Erfolg
An der Installation einer der ersten Fallen beteiligte sich auch der damalige tschechische Umweltminister Petr Hladík. Er sieht die Initiative als bedeutenden Schritt zum Schutz der tschechischen Bienenvölker und der biologischen Vielfalt. „Es ist essenziell, dass Imker, Öffentlichkeit und andere Verantwortliche über die Risiken, die die Asiatische Hornisse mit sich bringt, informiert werden. Nur durch breite Aufklärung und Bildung kann eine weitere Ausbreitung dieser Gefahr effizient eingedämmt werden“, so der Minister.
Das Ziel der Forschenden ist es, die Produktion der Hornissenfallen nicht nur landesweit, sondern perspektivisch auch international dort auszuweiten, wo ähnliche Probleme auftreten.
Einsatz der Fallen in Zusammenarbeit mit Imkern
Die vorgesehenen Fallen werden jeweils von einem bestimmten Imker betreut. Gerade die Imker sind es, die die Fallen regelmäßig kontrollieren und bei Nachweis einer Asiatischen Hornisse helfen, nahegelegene Nester zu identifizieren und gezielt zu entfernen.
Schutz vor der Hornisse ist Gemeinschaftssache – Institutionen und Öffentlichkeit sind mit eingebunden
Zur Entwicklung effektiver Schutzmaßnahmen gegen die Asiatische Hornisse leisten auch verschiedene Institutionen einen wichtigen Beitrag. Zusätzlich zu den bereits genannten Partnern beteiligt sich das Westböhmische Museum in Pilsen.
Wie der damalige Umweltminister Petr Hladík betonte, ist es entscheidend, beim Publikum ein schnelles Bewusstsein für den Ernst der Lage zu schaffen und die Bevölkerung zu informieren, wie man Asiatische Hornissen richtig erkennt und deren Vorkommen meldet. Dadurch kann rasch reagiert und die Bedrohung im Keim erstickt werden.
Strategischer Eradikationsplan zur Bekämpfung der Asiatischen Hornisse in Tschechien
Im März 2024 berichtete das Umweltministerium über den Entwurf eines Eradikationsplans für die Asiatische Hornisse. Er sollte die Zusammenarbeit von Imkern, Feuerwehr, Fachleuten und Öffentlichkeit regeln und um Erfahrungen aus den ersten Funden ergänzt werden.
Aus der Imkerzeitschrift
Zeitlicher Bezug: AOPK-Mitteilung vom 28. März 2024. Die Fallen ergänzen direkte Beobachtungen und müssen regelmäßig auf Beifänge kontrolliert werden.


























































































































































