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Schwärmen vorbeugen und Königinnenzucht

Tipps vom erfahrenen Imker Václav Horčica

Das Schwärmen ist ein natürlicher Fortpflanzungsmechanismus der Bienen, bedeutet für den Imker jedoch immer auch potenzielle Honigverluste. Imkerexperte Václav Horčica verrät bewährte Methoden, wie Sie dem Schwärmen gezielt vorbeugen und es als Chance für die Königinnenvermehrung nutzen.

Was versteht man unter Schwärmen – und warum schwärmen Bienen?

Ein traditionelles tschechisches Sprichwort sagt: „Ein Schwarm, der im Mai geht, ist einen ganzen Wagen Heu wert.“ Normalerweise schwärmen Bienen zwischen April und der Sommersonnenwende. Nach einem milden Winter kann das Schwärmen auch schon früher oder gar später beginnen.

  • Mangelnder Platz im Stock: Werden die Bruträume zu eng und die Waben sind mit Honig gefüllt, kann keine neue Brut angelegt werden. Dies fördert das Schwarmverhalten.

  • Genetische Disposition: Schwarmstarke Völker sollten in der Königinnenzucht vermieden werden.

Vor- und Nachteile des Schwärmens aus Sicht des Imkers

Warum ist Schwärmen für den Imker unerwünscht?

  • Produktionsverluste: Ein einmal geschwärmtes Volk liefert im betreffenden Jahr meist keinen Honig mehr.

  • Risiko Schwarmverlust: Es gibt keine Garantie, dass ein entfleuchter Schwarm eingefangen werden kann.

Kann Schwärmen auch Vorteile haben?

Ja – Schwärmen hat auch positive Aspekte. Der Schwarm verlässt die alte, eventuell mit Krankheitserregern und Parasiten befallene Wabe und errichtet einen neuen, sauberen Bau. Diese Schwärme sind häufig gesünder als das Ursprungsvolk.

Wie erkennt man Schwarmstimmung?

Bienen kündigen das Schwärmen durch typische Anzeichen an:

  • Bienenmasse auf dem Gitterboden: Viele Bienen am Boden des Stocks deuten auf Überfüllung hin (siehe Abbildung 1).

  • Entwicklung von Weiselzellen: Auch an den Rändern der Brutwaben lassen sich Weiselzellen erkennen.

Effektive Schwarmvorbeugung

Veraltete Methoden und ihre Schwächen

Das regelmäßige Ausbrechen der Weiselzellen ist aufwendig und selten erfolgreich, da die eigentliche Ursache des Schwarmtriebs bestehen bleibt.

Moderne Praktiken zur Schwarmverhinderung

  • Erweiterung des Brutraums: Zusätzliche Honigräume sorgen für mehr Platz und Beschäftigung der Bienen.

  • Schwächung des Volkes: Entnahme von Brutwaben mit aufsitzenden Bienen (ohne Königin). Die entnommenen Waben werden durch Mittelwände oder bereits ausgebaute Waben ersetzt. Gleichzeitig werden alle vorhandenen Weiselzellen entfernt.

Diese Maßnahmen stoppen die Schwarmstimmung und fördern die ganzjährige Produktivität des Volkes.

Wie lässt sich ein Schwarm leichter einfangen?

Eine bewährte Methode ist das vorsichtige Stutzen eines Flügels der Königin. Dadurch fliegt der Schwarm nur in Bodennähe und ist leichter einzusammeln. Auch das Auslegen einer Wabe mit offener Brut im Schwarmfangkasten beschleunigt das Eintreten des Schwarms.

Kontroll- und Vorbeugemaßnahmen im Jahresverlauf

  1. Frühjahr (März/April): Baurahmen einhängen, Honigwaben durch frische Mittelwände beziehungsweise ausgebaute Waben ersetzen.

  2. Ende April bzw. bei Trachteintritt: Erster Honigraum mit Leerwaben geben, damit das Volk beschäftigt bleibt.

  3. Früher Mai (bei schwacher Tracht): Brutwaben mit aufsitzenden Bienen (ohne Königin) aus starken Völkern entnehmen und einen Sammelbrutableger bilden.

  4. Mitte Mai: Je nach Trachtentwicklung einen weiteren Honigraum aufsetzen.

  5. Ende Mai: Erneutes Bilden von Sammelbrutablegern oder erste Honigernte bei starker Tracht.

Sammelbrutableger und ihr Einsatz

Sammelbrutableger sind bienenbesetzte Brutwaben (ohne Königin) mit meist älterer Brut und werden gezielt zur Königinnenzucht verwendet.

Dem Ableger werden Futterwaben beigegeben. Fehlen Futterwaben, werden Futterteig oder Zuckerlösung gereicht. Der Ableger kann an einen neuen Standort verbracht oder für einige Tage verschattet und verschlossen gehalten werden. Nach einer Woche kontrolliert man auf Nachschaffungszellen, entfernt sie ggf. und nutzt den Ableger als Pflegevolk für hochwertige Königinnen.

Was ist ein Sammelbrutableger und wie nutzt man ihn zur Königinnenzucht?

Sammelbrutableger bezeichnen gezielt gebildete Ableger ohne Königin, bestehend aus bienenbesetzten, verdeckelten Brutwaben (ohne alte Königin). Sie ergeben ein ideales Pflegeumfeld für die heranwachsenden Königinnen.

Vorbereitungen für die Verwendung des Sammelbrutablegers:

  • Stellen Sie sicher, dass sich keine offene Brut und keine Nachschaffungszellen im Ableger befinden.

  • Ist der Brutraum vorbereitet, wird ein spezieller Zuchtrahmen mit Weiselnäpfchen eingesetzt.

Was ist ein Zuchtrahmen und wie wird er vorbereitet?

Zuchtrahmen sind spezielle Rahmen mit einer Leiste, worauf künstliche Weiselbecher mit jungen Larven befestigt werden – die Grundlage einer erfolgreichen Königinnenzucht.

Vorbereitung des Zuchtrahmens – Schritt für Schritt:

  1. Beduftung des Rahmens: Der Zuchtrahmen mit Weiselnäpfchen wird mindestens 24 Stunden ins Bienenvolk oder den Ableger gestellt, damit er Bienengeruch annimmt.

  2. Auswahl guter Abstammung: Man nutzt nur das leistungsstärkste Volk als Stamm. Von diesem entnimmt man eine Wabe mit Eintagslarven.

  3. Vorbereitung der Weiselnäpfchen: Jeder Weiselbecher bekommt einen Tropfen Wasser, verdünnte Gelee Royale oder Honig als „Annahmehilfe“.

  4. Umlarven: Die Eintagslarven werden mit einem Umlarvlöffel vorsichtig in die vorbereiteten Weiselnäpfchen gesetzt.

  5. Einsetzen in den Ableger: Nun wird die Leiste mit den belarvten Weiselnäpfchen zwischen die Brutwaben im Sammelbrutableger gehängt.

Weitere Schritte bei der Königinnenzucht

Entwicklung der Königinnenzellen im Ableger:

Nach Einsetzen des Zuchtrahmens beginnt die Pflege der neuen Königinnen:

  • Nach 5 Tagen: Die nun verdeckelten Weiselzellen werden in spezielle Pflegekäfige umgesetzt und dort geschützt ausgebaut.

  • Weitere 6 Tage später: Zeit für die Teilung des Ablegers: Bienen, Brut- und Futterwaben werden gleichmäßig auf Begattungseinheiten bzw. Ablegerkästchen verteilt.

  • Zusetzen der Königinnenzellen: In jede neue Einheit kommt nun eine reife Königinnenzelle ohne Schutzkäfig.

Versetzen und Stabilisierung der Ableger:

Die neu entstandenen Ableger werden an ihren endgültigen Standort gebracht. Nach 10 bis 14 Tagen überprüft man die Begattungserfolge und das Eierlegen der frischen Königin.

Pflege der gebildeten Ableger

Nach dem Umlarven ist die sorgfältige Pflege der Ableger sehr wichtig. Füttern Sie regelmäßig:

  • Futtergabe: Zuckerlösung oder Futterteig werden genutzt. Gute Fütterung fördert stärkere Ableger, die erfolgreich überwintern.

  • Regelmäßige Kontrolle: So werden etwaige Probleme frühzeitig erkannt und behoben.

Wie viele Ableger lassen sich pro Jahr bilden?

Diese Methode ermöglicht es, pro Imkersaison so viele Sammelbrutableger anzulegen wie Wirtschaftsvolkvorhanden sind. Neue, junge Völker stehen dann als Backup zur Verfügung, um Produktionsvölker wieder aufzustocken oder zu ersetzen.

Vorteile der Zuchtmethode nach Václav Horčica:

  • Schnelle Königinnengewinnung mit hoher Qualität

  • Ideale Reserve für Wirtschaftsvölker

  • Minimaler Produktionsverlust während der Saison

  • Aktiver Beitrag zur Bienengesundheit

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Übernommen aus der Fachzeitschrift „Včelařství“ von Václav Horčica – erfahrener Imker und Fachdozent für Bienenhaltung.