Königinnenzucht im Begattungskästchen: Praktischer Leitfaden für Imker
Begattungskästchen gehören zu den bewährten Systemen für die gezielte und rationelle Aufzucht von Bienenköniginnen. Durch ihr kleines Volumen wird nur eine geringe Bienenmenge benötigt, was sie besonders wirtschaftlich macht. Bei sachgemäßer Handhabung ist die Annahme der Weiselzelle sowie das anschließende Anstiften der Königin in der Regel sehr zuverlässig.
Was ist ein Begattungskästchen und wofür wird es eingesetzt?
Ein Begattungskästchen ist ein kleines Bienenvolk, gebildet auf wenigen Minirähmchen (häufig 3 Stück) mit eigener Futterkammer. Ziel ist es, eine Weiselzelle oder unbegattete Königin aufzunehmen, schlüpfen zu lassen, die Begattung zu ermöglichen und die Eiablage zu prüfen. Im Gegensatz zu größeren Systemen (z. B. Mini-Plus) ist das Begattungskästchen in der Regel für den kurzfristigen Einsatz gedacht. Sobald die Königin eine gute, geschlossene Brutfläche zeigt, wird sie entnommen und in einen Ableger oder ein Wirtschaftsvolk zugesetzt.
Für wen sind Begattungskästchen geeignet?
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Berufsimker und Königinnenzüchter – wenn in kurzer Zeit eine größere Anzahl an Königinnen herangezogen werden soll, bei gleichzeitig sparsamem Einsatz von Bienen. Aufgrund des begrenzten Raumes dient das Kästchen vor allem zur Kontrolle, ob die Königin gleichmäßig und sauber stiftet, bevor sie weiterverwendet oder verkauft wird.
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Nebenerwerbs- und Hobbyimker – zur Eigenversorgung mit Königinnen für Ablegerbildung, Umweiselung oder als Reserve. Das Begattungskästchen ermöglicht einen einfachen Einstieg in die Königinnenzucht ohne große Investitionen.
Der richtige Zeitpunkt für die Bestückung
Begattungskästchen werden in der Regel etwas später im Frühjahr befüllt als überwinterungsfähige Systeme wie Mini-Plus. Der Grund ist einfach: Zum Befüllen müssen Bienen aus Wirtschaftsvölkern entnommen werden. Eine zu frühe Entnahme – etwa Anfang April – kann die Entwicklung der Muttervölker unnötig schwächen.
Geeignet ist ein Zeitpunkt, wenn:
die Völker bereits deutlich in Brut und Stärke stehen,
stabile Witterung für Orientierungs- und Begattungsflüge herrscht,
ausreichend geschlechtsreife Drohnen in der Umgebung vorhanden sind.
Hinweis: Der genaue Termin hängt stark von Region, Höhenlage und Witterungsverlauf ab. Ohne geeignetes Flugwetter und genügend Drohnen sinkt die Begattungssicherheit deutlich.
Vorbereitungen vor dem Befüllen
Eine sorgfältige Vorbereitung erleichtert die Arbeit und reduziert Stress für die Bienen.
Futterkammer befüllen
Futterteig bis zum Rand einfüllen (z. B. Apifonda oder Honig-Zucker-Teig).
Darauf achten, dass der Teig nicht austrocknet, aber auch nicht verflüssigt wird.
Ziel ist eine sichere Energieversorgung in der Anfangsphase.
Minirähmchen vorbereiten
Minirähmchen mit eingelöteten Mittelwandstreifen oder schmalen Wachsanfängen versehen.
Vorbereitung idealerweise bereits im Winter erledigen.
Saubere Vorbereitung fördert schnellen Wabenbau und zügige Eiablage.
Flugloch und Belüftung
Vor dem Befüllen Flugloch schließen, um ein Ausfliegen zu verhindern.
Für ausreichende Belüftung sorgen, besonders bei Wärme oder Transport – Überhitzung kann schnell zu Verlusten führen.
Gewinnung der Bienen für das Begattungskästchen
Bewährt haben sich abgefegte Bienen aus dem Honigraum. Diese sind weniger stark an Brut gebunden und eignen sich gut zur Bildung eines Kunstschwarms. Auch Bienen, die sich unter Bienenfluchten sammeln, können genutzt werden.
Leichtes Besprühen mit Wasser
Ein feiner Wassernebel auf Bienen und Waben wirkt unterstützend:
sofortige Flüssigkeitsquelle,
bessere Beruhigung und Zusammenhalt,
geringeres Überhitzungsrisiko.
Schritt-für-Schritt-Befüllung
Kästchen vorbereiten – Rähmchen einsetzen, Futter einfüllen, Flugloch schließen, Lüftung öffnen.
Bienen abfegen – idealerweise aus dem Honigraum, ggf. leicht befeuchten.
Von unten einfüllen – je nach System mithilfe einer Schöpfkelle in gleichmäßiger Menge.
Verschließen und Belüftung prüfen.
Kühl und dunkel stellen – das „Vereinigen“
Nach dem Befüllen folgt eine entscheidende Phase: das Zusammenfinden der Bienen in Dunkelheit und Kühle.
Aufstellung z. B. im Keller bei etwa 10–12 °C.
Die Bienen vereinheitlichen ihren Stockgeruch und erkennen ihre Weisellosigkeit.
Dauer zunächst einige Stunden ohne Weiselzelle.
Zusetzen der Weiselzelle
Reife Weiselzelle bevorzugen, da diese meist sicherer angenommen wird.
Möglichst ohne starke Störung einsetzen (je nach System über vorgesehene Öffnung).
Anschließend meist 2–3 Tage kühl und dunkel belassen.
Aufstellung am Bienenstand
Abends aufstellen, um Verflug zu reduzieren.
Flugloch öffnen und Belüftung anpassen.
Unterschiedliche Farben, Ausrichtungen und Abstände helfen gegen Verflug zwischen den Kästchen.
Kontrolle und weitere Verwendung der Königin
Nicht zu früh kontrollieren, um Unruhe zu vermeiden.
Auf gleichmäßige Brutflächen achten.
Bei guter Eiablage Königin rechtzeitig entnehmen und weiterverwenden.
Häufige Fehler
Zu wenig Bienenmasse.
Mangelnde Belüftung und Überhitzung.
Unzureichende Futterversorgung.
Schlechtes Begattungswetter oder Drohnenmangel.
Aufstellung am Tag mit starkem Abflug.
Kurzübersicht der Arbeitsschritte
Begattungskästchen vorbereiten (Futter, Rähmchen).
Flugloch schließen, Lüftung öffnen.
Bienen aus dem Honigraum abfegen, leicht befeuchten.
Kästchen befüllen.
Kühl und dunkel stellen.
Reife Weiselzelle zusetzen.
2–3 Tage kühl halten.
Abends am Stand aufstellen.
Bei konsequenter Einhaltung dieser Schritte erhöhen Sie deutlich die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Annahme, sicheren Begattung und eines guten Starts der jungen Königin im Begattungskästchen.
Abschließender Praxishinweis
Jeder Standort bringt eigene Bedingungen mit sich – Trachtangebot, Temperaturverlauf, Volksstärke und Drohnensituation. Passen Sie die beschriebenen Schritte daher an Ihre betrieblichen Gegebenheiten an.
Inspiriert durch ein Video von Herrn Sedláček





































































































































































































