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Die Europäische Faulbrut fordert das Engagement der Imker

Die Imker aus Vratislavice nad Nisou gingen das Problem aktiv an und konnten so die befallenen Bienenvölker rechtzeitig entdecken. Regelmäßige und gründliche Inspektionen helfen dabei, erste Anzeichen der bakteriellen Infektion frühzeitig zu erkennen. Da diese Erkrankung nicht heilbar ist, bleibt als einzige Möglichkeit der Bekämpfung die vollständige Vernichtung und Verbrennung der betroffenen Völker, ihre Beuten, Ausrüstung, Wachs und Schutzbekleidung. Edelstahlausrüstungen wie Honigschleudern können sorgfältig desinfiziert und somit weiterverwendet werden.

Die Europäische Faulbrut, ähnlich wie die Amerikanische Faulbrut, stellt eine ernsthafte Bedrohung für Bienenvölker dar, ist jedoch für den Menschen ungefährlich. Mögliche Ursachen für die Übertragung sind fremde Bienen, kontaminierte Waben, Beutenteile oder Imkerwerkzeuge aus anderen Standorten.

Im Namen der Imker aus Vratislavice äußerte sich hierzu Jiří Gajdoš. Sein Schreiben traf Ende Oktober bis Anfang November ein. Ergänzende Informationen erhielten wir von Ing. Dalibor Titěra, CSc., aus dem Forschungsinstitut für Bienenzucht in Dol.

Bakterielle Infektion: die Europäische Faulbrut (EFB)

Die Europäische Faulbrut ist eine bakterielle Erkrankung, die Honigbienenlarven befällt, bevor deren Brutzellen verdeckelt werden. Die Symptome variieren stark, wodurch das Krankheitsbild in einzelnen Völkern sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Nach gesetzlichen Vorgaben besteht eine Meldepflicht beim zuständigen Veterinäramt, sobald ein Befall festgestellt wird.

Erreger der Europäischen Faulbrut

Bis 1906 wurden europäische und amerikanische Faulbrut nicht voneinander unterschieden. Nach Entdeckung des Erregers Paenibacillus larvae für die Amerikanische Faulbrut wurde der europäische Typ weiterhin als Europäische Faulbrut (EFB) geführt, dessen Hauptverursacher nun Mellisococcus plutonius ist. Früher wurde dieser Erreger als Streptococcus pluton und später als Mellisococcus pluton bezeichnet.

Gemeinsam mit Mellisococcus plutonius finden sich oftmals weitere Bakterienarten, wie Paenibacillus alvei und Streptococcus fecalis, welche wesentlich zum Zersetzungsprozess abgestorbener Larven beitragen. Der deutlich „faulige“ oder intensiv saure Geruch entsteht durch diese bakteriellen Stoffwechselprodukte, wobei mancherorts auch von Brutsäuerung gesprochen wird (besonders in der Schweiz bekannt).

Im Gegensatz zum Erreger der Amerikanischen Faulbrut bildet Mellisococcus plutonius keine langlebigen Sporen aus. Junge Larven erkranken bereits nach Aufnahme geringer Mengen dieser Bakterien mit der Nahrung; Larven, die älter als zwei Tage sind, sind widerstandsfähiger und müssen mit höheren Mengen konfrontiert werden, um Symptome zu entwickeln. Der anaerobe Erreger gedeiht ohne Sauerstoff oder bei sehr geringem Sauerstoffanteil.

Verbreitung und Krankheitsverlauf

Die Europäische Faulbrut ist hochinfektiös. Die Bakterien gelangen über kontaminiertes Futter in den Larvendarm, vermehren sich dort schnell und verursachen schließlich das Absterben der Larven noch vor der Verdeckelung der Zelle. Tote Larven trocknen zu sogenannten Schorfeinlagerungen („Pfriemen“), welche bis zu drei Jahre infektiös bleiben können.

Die wenigen Larven, die eine Infektion überleben, entwickeln sich meist zu kleineren und geschwächten Bienen, welche die Erreger weiterhin verbreiten können. Befallene Bienenvölker werden zunehmend schwächer und sterben schlussendlich ganz ab. Normalerweise gilt die Europäische Faulbrut als weniger schwerwiegend als die Amerikanische Faulbrut, jedoch können einzelne besonders aggressive Bakterienstämme lokal großen Schäden anrichten.

Typische Symptome der Europäischen Faulbrut

Befallene Larven verfärben sich von perlweiß zu gelblich-braun, verlieren an Konsistenz und sinken auf den Zellboden ab. Teilweise sterben diese Larven auch hinter einer Deckelung ab. Die abgestorbenen Larven werden nicht wie beim Amerikanischen Faulbrut zu klebrig-fädigen Resten, sondern vertrocknen zu krümeligen, leicht entfernbaren Einlagerungen. Ein starker, unangenehm faulig-saurer Geruch ist kennzeichnend.

Diagnostik

Waben, welche verdächtige Lücken oder Symptome zeigen, müssen im Labor untersucht werden. Das Untersuchungsmaterial besteht idealerweise aus kompletten, beschrifteten Waben. Sie sollten luftdurchlässig in Papier oder Karton verpackt werden – Plastikfolien sind ungeeignet, da sie Schimmelbildung fördern. Die Labordiagnostik umfasst sowohl mikrobiologische Kulturen als auch molekulargenetische Untersuchungen (PCR).

Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung

Ein amtlich bestätigter Befall führt sofort zu strengen veterinärbehördlichen Maßnahmen, der Festlegung des Sperrgebietes und der sofortigen Vernichtung betroffener Völker. Anschließend muss sämtliches Material vernichtet oder gründlich desinfiziert werden. Geeignete Desinfektionsmittel sind beispielsweise jodhaltige Produkte wie BeeSafe oder FAM 30. Zurzeit werden auch Hitzebehandlungen oder Ozonverfahren geprüft, diese bedürfen aber noch weiterer Erfahrungswerte.

Ein Vorteil bei der Bekämpfung der EFB gegenüber der Amerikanischen Faulbrut besteht darin, dass die langlebigen Sporen fehlen und somit versteckte Infektionsquellen schneller erlöschen. Diese Erkrankung stellt auch keine Gesundheitsgefahr für andere Haustiere oder den Menschen dar.

Nach einem Artikel von Ing. Dalibor Titěra, CSc., in der Zeitschrift Včelařství