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Zementhonig – wie lassen sich Probleme mit Melizitose vermeiden?

Was ist Zementhonig und warum tritt er auf?

Waldhonig aus Honigtau erfreut sich wachsender Beliebtheit dank seines besonderen Aromas und erzielt gute Preise. Für Imker besteht allerdings das Risiko von Melizitose – einem Zucker, der die Entstehung von sogenanntem Zementhonig begünstigt.

Zementhonig ist stark auskristallisierter Honig, der hart in den Waben sitzt und dem Imker große Schwierigkeiten beim Schleudern bereitet. Auch die Bienen können diesen Honig nicht nutzen, was zu gesundheitlichen Problemen innerhalb des Stocks führen kann.

Auslöser: Blattläuse, die Baumsäfte saugen

Der Hauptgrund für das Entstehen von Melizitose sind Blattläuse, die sich von Baumsaft, besonders von Fichte und Tanne, ernähren. Sie nehmen dabei nur wenig Nährstoffe auf und scheiden überschüssige zuckerhaltige Lösungen – den Honigtau – aus. Die Bienen sammeln diesen süßen Tau und verarbeiten ihn zu Waldhonig.

Die Blattläuse müssen sich jedoch an zuckerreiche Säfte in den Bäumen anpassen, da der hohe osmotische Druck (bei geringer Wassermenge im Körper der Laus im Vergleich zur Umgebung) problematisch werden kann. Sie wandeln einfache Zucker in komplexere um, darunter auch die gefürchtete Melizitose, um Dehydrierung zu vermeiden.

Welche Blattläuse produzieren am meisten Melizitose?

Der höchste Melizitose-Anteil im Honigtau stammt vor allem von:

  • Große schwarze Fichtenrindenlaus (Cinara piceae) – enthält durchschnittlich 43 % Melizitose

  • Bereifte Fichtenrindenlaus (Cinara pilicornis) – enthält im Schnitt 29 % Melizitose

Dagegen produzieren Blattläuse auf Tannen viel weniger Melizitose (8–14 %) und sind somit weniger riskant.

Faktoren, die die Entstehung von Zementhonig fördern

Dr. Victoria Seeburger und ihr Team von der Universität Hohenheim untersuchten in einer groß angelegten Studie Umgebungsfaktoren, die die Melizitoseproduktion fördern. Anhand von Proben, die über vier Jahre in Zusammenarbeit mit vielen Imkern gesammelt wurden, konnten folgende Risiken klar bestätigt werden:

  • Höhere Umgebungstemperatur: Jede Erhöhung der Lufttemperatur um 1 °C führt durchschnittlich zu einem Anstieg des Melizitose-Gehalts um 0,6 % im Honigtau.

  • Niedrige Luftfeuchtigkeit: Ein Rückgang der relativen Luftfeuchtigkeit um 1 % führt durchschnittlich zu einem Anstieg von 0,2 % Melizitose im Honigtau.

  • Höhenlage und Bodentyp des Standorts: Höher gelegene Standorte sowie kalkhaltige, wasserdurchlässige Böden (z.B. Schwäbische Alb) weisen statistisch höhere Melizitose-Werte in der Honigtau-Ernte auf.

Folgen des Klimawandels – Anstieg des Risikos für Zementhonig?

Steigende Temperaturen und häufigere Trockenperioden durch den Klimawandel werden zukünftig zu häufigeren Melizitosehonig-Trachten führen. Besonders Fichten mit flachen Wurzeln reagieren in trockenen, warmen Sommern mit einer höheren Produktion osmotisch aktiver Stoffe in ihrem Saft. Dies zwingt Blattläuse dazu, mehr komplexe Zucker wie Melizitose zu bilden und erhöht so das Risiko von Zementhonig.

Wie kann man Problemen mit Zementhonig vorbeugen?

Damit Imker das Risiko von Zementhonig auf ein Minimum reduzieren, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

  • Befallene Baumarten gezielt auf "risikoreiche" Blattlausarten beobachten, insbesondere an Fichten.

  • Wetterfaktoren wie steigende Temperatur und sinkende Luftfeuchte im Blick behalten.

  • Bei erhöhtem Risiko einen Standortwechsel der Bienenvölker in Erwägung ziehen.

  • Den Austausch mit benachbarten Imkern suchen und aktuelle Informationen über Honigtaublattläuse und Honigtau teilen.

Zukunftsausblick – ein Frühwarnsystem für Melizitose

Basierend auf den Forschungsergebnissen ist es vorstellbar, ein Warnsystem oder eine App zu entwickeln, die Imker rechtzeitig über drohende Melizitose informiert. So könnten vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden, bevor größere Probleme durch Zementhonig entstehen.

Zementhonig ist kein unlösbares Problem, setzt aber von Seiten der Imker eine aktive Überwachung der Situation voraus. Dank wissenschaftlicher Forschung sind die Ursachen inzwischen deutlich besser bekannt. Eine gute Informationslage und die Zusammenarbeit der Imker helfen, größere wirtschaftliche Schäden und gesundheitliche Probleme bei Bienenvölkern zu verhindern.

aus der Imkerliteratur; Originalstudie: Dr. Victoria Charlotte Seeburger, Deutsches Bienen-Journal, 2021, Nr. 10, S. 22–24 (übersetzt von Ing. Marie Šindlářová)