Imker stoßen bei der Zucht neuer Bienenköniginnen häufig auf verschiedene Herausforderungen. Eines der verbreiteten Probleme ist, dass das Bienenvolk eine neue Königin nicht akzeptiert. Beim Larven-Umlarvverfahren werden frisch geschlüpfte, noch unbegattete Königinnen oft in Begattungseinheiten („Kästchen“) gesetzt. Diese Vorgehensweise birgt das Risiko einer Nichtannahme der jungen Königin durch das Bienenvolk.
Brutlose Begattungseinheiten und Ableger mit Brut
Platzierte man diese Königinnen direkt in frisch eingerichteten Begattungskästchen („Mini-Plus“ oder ähnlichen Kästchen ohne Brutwaben), wäre die Wahrscheinlichkeit der Annahme deutlich größer. In solchen Begattungseinheiten befinden sich lediglich Arbeiterinnen, Mittelwände und Futtermassen, jedoch keine Brut. Die Arbeiterinnen können somit keine eigenen Weiselzellen anlegen. Aus reinem Überlebensinstinkt akzeptiert das Volk die junge Königin, da ihr Fehlen zum Untergang des Kleinvolkes führen würde. Sobald die begattete Königin nach ihrem Hochzeitsflug erfolgreich zurückkehrt, beginnt sie nach wenigen Tagen mit der Eiablage.
Im Gegensatz dazu schaffen Ableger, welche bereits Brutwaben mit Eiern und Larven verschiedener Altersstufen besitzen, ein ungünstiges Umfeld für die Annahme junger Königinnen. Hier haben die Arbeiterinnen Gelegenheit, jederzeit neue Weiselzellen auf jüngsten Larven zu ziehen. Dadurch steigt das Risiko, dass eine neu eingeführte, insbesondere noch unbegattete Königin abgestochen wird. Für eine erfolgreiche Einbindung der jungen Königin ist daher die geeignete Methode entscheidend.
Begattete Königinnen und schlupfreife Weiselzellen
Deutlich sicherer ist es daher, bereits begattete Königinnen in solche Ableger einzusetzen. Eine solche Königin sollte zunächst für ein bis drei Tage in einem Zusetzkäfig oder unter einem Absperrkäfig fixiert bleiben. Die Reaktion der Bienen entscheidet dann, ob eine baldige Freigabe durch Entfernen des Futterteigverschlusses stattfinden kann oder ob sie bei Aggressionen länger eingesperrt werden sollte.
Eine weitere bewährte und populäre Methode ist das Zusetzen einer schlupfreifen Weiselzelle. Diese befestigt man an einer gedeckelten Brutwabe, um eine natürliche Annahme sicherzustellen. Die Königin schlüpft meist innerhalb von zwei Tagen. Danach begibt sie sich bei passendem Wetter auf ihren Paarungsflug. Nach erfolgreicher Begattung durch Drohnen kehrt sie zurück und beginnt nach etwa zehn Tagen mit der Eiablage. Das kleine Volk wächst so schnell zu einem vollständigen und gesunden Bienenvolk heran.
Nachschaffung und stille Umweiselung
Dies erklärt auch, warum bei einer Serie von sieben angelegten Begattungseinheiten schlussendlich nur drei unbegattete Königinnen akzeptiert wurden. Es existiert jedoch noch eine andere Besonderheit: Warum ersetzen manche Völker nach der ersten erfolgreichen Eiablage eine zuvor zugesetzte Königin und ziehen neue Weiselzellen nach? Bienen reagieren sehr sensibel und erkennen beschädigte, defekte oder auch infizierte Königinnen (zum Beispiel durch Nosematose). Äußerlich fällt dem Imker an der Königin eventuell nichts auf, für das Bienenvolk zeigt sich jedoch ihre geringe Vitalität. Instinktiv ersetzt das Volk diese Königin durch Nachschaffung auf möglichst jungen Larven. Ein ähnliches Verhalten zeigen Bienen auch bei der sogenannten „stillen Umweiselung“ älterer Königinnen. Dabei legen sie meist wenige, dafür aber gut versorgte Weiselzellen an.
Die Anlage mehrerer Weiselzellen, manchmal sogar direkt nebeneinander, deutet in der Regel auf sogenannte Notweiselzellen hin. Diese entstehen dann, wenn die eingesetzte Königin vom Volk nicht angenommen, getötet oder versehentlich durch Eingriffe verletzt wurde. Notweiselzellen sitzen oft auf den jüngsten Larven, die auf Brutwaben gerade verfügbar sind. Auch an ungewöhnlichen Stellen – beispielsweise am Rand von Drohnenrahmen – legen Bienen gelegentlich solche Nachschaffungszellen an.
Umlarven und technische Hilfsmittel
Bienenvölker verfügen über eine bemerkenswerte Fähigkeit, geschädigte oder ungeeignete Larven aus den Weiselzellen frühzeitig zu entfernen. Daher verlangt das Umlarven einiges Können und Übung in der präzisen Handhabung der jüngsten Larven. Ein gutes Sehvermögen sowie passendes Werkzeug sind unverzichtbar. Viele erfahrene Züchter meistern diese Aufgabe bis ins hohe Alter sehr gut. Für Imker mit eingeschränkter Sehkraft oder weniger ruhiger Hand bieten sich bewährte technische Systeme (zum Beispiel „Jenter“ oder „Nicot“) an, die dabei helfen, geeignete Larven schonend und korrekt zu gewinnen.
Weiselprobe im Ableger
Sind in einem Ableger jedoch mehrtägige gedeckelte Weiselzellen sichtbar, ist die Suche nach einer bestehenden Königin meist überflüssig. Völker reagieren auf das Fehlen ihrer Königin unmittelbar durch die Nachschaffung neuer Zellen. Ein bewährter Praxistest, der sogenannte Bruttest, kann Aufschluss über die tatsächliche Anwesenheit der Königin im Volk geben: Man gibt hierzu eine Brutwabe mit jungen Larven aus einem anderen Volk hinein. Zieht das Volk daraus Weiselzellen, fehlt definitiv eine legende Königin. Passiert hingegen nichts, so bedeutet dies, dass eine Königin vorhanden ist, aber noch nicht zu legen angefangen hat.
Die Königinnenzucht, verbunden mit der Bildung neuer Bienenvölker, ist eine wunderbare, jedoch anspruchsvolle Aufgabe.
Aus dem Imkerjournal von Jiří Sláma


























































































































































