Einblick in das Leben der Hummeln
Hummeln, die zur erweiterten Familie der Bienen (Apoidea) gehören, faszinieren uns mit ihrem interessanten sozialen Zusammenleben. Jedes Jahr im Herbst bereiten sich die weiblichen Hummeln auf die Winterruhe vor – gut genährt und befruchtet überwintern sie, um im Frühjahr voller Kraft und Vitalität zurückzukehren. Ihre auffällige Farbgebung macht sie leicht erkennbar. Einige Arten präsentieren auffällige schwarze, gelbe oder rötliche Streifen, wohingegen andere unscheinbarere grau-braune Farbtöne bevorzugen.
Im Frühling erwachen die überwinterten Hummelköniginnen aus ihren Winterquartieren. Sie erhöhen ihre Körpertemperatur durch das Vibrieren ihrer Flugmuskulatur und starten selbst ohne vorherige Aufnahme von Nektar. Die notwendige Energie beziehen sie aus Fettkörpern in ihrem Hinterleib. Dennoch genießen es viele Hummeln, sich in der Frühlingssonne aufzuwärmen.
Zu Frühlingsbeginn sammeln die frühesten Hummelarten Nektar und Pollen von Pflanzen und Bäumen wie Weidenkätzchen, Taubnesseln oder Mirabellen. Der Pollen ist besonders wichtig für die Reifung ihrer Eier; wenn Königinnen mit der Pollensammlung beginnen, planen sie ihre Nestgründung. Den Pollen befreien sie aus den Staubgefäßen der Blüten durch ein schnelles Summen. Die bereits bestehenden Pollenhöschen an den Hinterbeinen einer Königin signalisieren, dass ein Nest gegründet wurde. Etwa zehn Tage nach ihrem Erwachen suchen die Hummelköniginnen nach einem geeigneten Platz zur Nestgründung.
Die Nistplätze der Hummeln müssen warm und geschützt sein. Daher werden oft verschiedene Rückzugsorte geprüft, wie verlassene Mausenester mit weicher Auskleidung oder auch alte Vogelnester. Einige Arten bevorzugen weniger geschützte Orte mit Moos oder Gras.
Bau und Pflege des Hummelnests
Im sicheren Hummelnest bereitet die Königin gewissenhaft den Lebensraum für ihre Nachkommen vor. Sie gestaltet zuerst ein kleines, ihrer Größe angepasstes Nest mit einem engen Zugang. Die innere Oberflächenschicht feuchtet sie mit Nektar an, um ein optimales Mikroklima zu sichern und eine erste Energiereserve zu bieten.
Wenn die Energieversorgung es erfordert, produziert die Königin Wachs, das von speziellen Wachsdrüsen auf ihrem Hinterleib abgesondert wird. Sie verarbeitet dieses Wachs mit ihren Beinen und Mandibeln und formt kleine Wachsgefäße für die Eiablage und den Nahrungsvorrat. Nachdem Eier gelegt wurden, wärmt sie deren Zellen aufmerksam und verlässt ihr Nest nur zur Nahrungssuche.
Nach drei Tagen schlüpfen hungrige Larven, die von ihr mit dem nötigen Pollen und Nektar versorgt werden. Die Larven wachsen rasch und spinnen schließlich Kokons aus Seide. Diese Kokons dienen später wieder als Vorräte oder zur Anlage neuer Brutzellen.
Die Entwicklung der Larven hängt maßgeblich von der Temperatur ab, die die Königin konstant hält. Unter idealen Bedingungen erscheinen die Arbeiterinnen schon nach 21 Tagen. Anfangs sind sie noch schwach und grau gefärbt, gewinnen aber zügig an Kraft, indem sie sich von eingelagertem Honig und Pollen ernähren. Gemeinsam mit der Königin verwandeln sie alte Kokons in neue Honigbehälter.
Nach wenigen Tagen Entwicklungszeit verlassen die neu erblühten Arbeiterinnen in voller Farbintensität das Nest. Die Königin zieht sich nun mehr und mehr zurück und überlässt den Arbeiterinnen die Versorgung des Nests und das Sammeln von Blütenpollen und Nektar.
Orientierung und Nestentwicklung
Beim ersten Verlassen des Nests prägen sich die Arbeiterinnen die Umgebung sorgfältig ein, indem sie mehrfach zum Nesteingang zurückblicken, bevor sie zielgerichtet losfliegen. Manche Hummelarten sammeln zudem Moos und Gras zur Instandhaltung ihres Nests.
Im Nest legen Mutter und Arbeiterinnen ihre Eier in kleine Wachszellen, die Larven ernähren sich vom angebotenen Pollen und Nektar, wachsen schnell heran und spinnen schließlich robuste Kokons. Leere Kokons dienen später als Honigspeicher.
Hummeln nutzen eigene Wachstöpfchen zur Lagerung von Pollen als Vorräte. Diese Vorräte sind entscheidend für das spätere Wachstum der männlichen Hummeln und junger Königinnen.
Die Saison überwinterter Hummelköniginnen
Im Laufe des Frühlings erscheinen verschiedene Hummelarten zeitversetzt. Man kann zuerst sehr früh Arten wie Acker-, Garten- und Erdhummeln beobachten. Danach folgen weitere Arten bis hin zur späten Kleehummel. Sie spielen durch ihre Bestäubungstätigkeit eine entscheidende Rolle für die Samenbildung und den Ertrag landwirtschaftlicher Kulturen.
Unser Institut führt seit Jahrzehnten Forschungen zur Hummelzucht durch, wobei erfolgreich neue Zuchtmethoden optimiert wurden. Diese Verfahren werden heute europaweit zur Bestäubung von Tomaten und anderen Nutzpflanzen genutzt.
Gefahren für Hummeln und deren Bekämpfung
Hummeln haben eine Reihe gefährlicher Feinde. Besonders bedrohlich ist der winzige Parasitoid Melitobia acasta. Bei Befall müssen sofortige Maßnahmen ergriffen werden, um das Hummelvolk zu retten. Ein weiterer gefährlicher Schädling ist der Hummel-Wachsmotten-Falter Aphomia sociella, dessen Raupen ganze Nester vernichten können.
Ein Schutz ist beispielsweise der Einsatz spezieller Nestklappen am Eingang, die verhindern, dass Schädlinge wie kleinere Fliegenarten ins Nest gelangen.
Nach einem Artikel von Dr. Vladimír Ptáček aus der Zeitschrift „Včelařství“.






































































































































































































